Seealpen 2007
Eine (Gewalt-)Tour durchs Hochdauphine und Savoyen
Fotos Andi Schmitt
Tourdaten
Tag 1
Anreise über München, Innsbruck, Verona, Mailand, Turin, Susa, Briancon, Le Bourg de Oisans ~ 900km
Mal wieder die Entfernung sauber verschätzt. Kommt davon, wenn man
Reisen auf Karten mit zu groben Masstäben plant. Viel Autobahn,
wenig Rast, dafür aber (Sonntag) freie Fahrt. Die Guzzi kotzt das
zuviel eingefüllte Öl raus und saut die ganze rechte
Moppedseite ein. Das 30 Jahre alte Sitzpolster macht etwa auf Höhe
Verona schlapp, ab da lustige Übungen zur Veränderung der
Sitzposition. Zwischen Susa und Briancon schüttets richtig, die
Strasse ist super rutschig und es droht, dunkel zu werden. Schlecht,
denn der Bilux-Scheinwerfer hat ausser Stromverbrauch keinerlei
Wirkung. Nach 12h Fahrt erreiche ich Oisans und nehme das
erstbeste Hotelzimmer für schlappe 50 Euro in einer Bruchbude
direkt in der Ortsmitte.
Tag 2
Le Bourg de Oisans, Chamrousse (D 111), Grenoble, Combe Laval (D 76),
Col de Rousset (D518), Die (D 93), Col de Grimone (D 539), Mens (D 66),
Valbonnais (D 526), Le Bourg de Oisans, Alpe de Huez (D 211) ~ 400km
Der Regen hat sich verzogen und nach einem gewaltigen
Frühstück gehts los. In Grenoble erstmal richtiges
Verkehrschaos, Bruthitze, Orientierungslosigkeit. Combe Laval
(besonders Col de Machine) ist gewaltig, so was hab ich noch nie
gesehen. Man hat die Strassen quasi für sich allein,
höchstens ein paar Fahrradfahrer sind unterwegs. Hin und wieder
wird gebaut, man wird dann auf die nächst kleinere Strasse
umgeleitet, auf der wird auch gebaut, man wird dann auf die nächst
kleinere... So kann ich auch die Schottertauglichkeit der Cali testen.
An der Alpe de Huez ist jeden Tag Tour de France, lauter Rennradler
kurz vor dem Herzinfarkt (beim Rauffahren) oder dem Gipszimmer (beim
Runterfahren).
Tag 3
Le Bourg de Oisans, Col de la Croix de Fer (D926), Albiez (D80),
St-Michel de Maurienne (N6), Col du Telegraphe & Col du Galibier
(D902), Briancon (N91), Col du' Izoard (D 902), Briancon (N94), Susa,
Turin, Mailand, Mandello (Comer See) ~ 600km
Nach den eher flachen Bergen gestern steht mir der Sinn nach
höherem, also kurz nach Savoyen, um von dort aus über den
Galibier wieder ins Dauphine zu kommen. In den Tälern läuft
einem die Sosse den Rücken runter, um am Pass festzufrieren. Gegen
16 Uhr ist auch der Izoard geschafft und ich überlege, wie ich
eine morgige Gewalttour von 900km nach Hause vermeiden könnte.
Übersichtskarte raus, kurz überlegt, ab nach Mandello. Ich
erwische die Rush-Hour von Turin *und* Mailand. Beim Versuch den Stau
zu durchfahren wie die Rollerfahrer hauts einem Auto den Aussenspiegel
mit der Gepäckrolle um. Keine Reaktion vom Fahrer, ausser ihn
wortlos wieder anzuklappen, ist wohl normal. Kurz vor den Hitzetod des
Motors gehts aus der Stadt raus, vorbei an Monza zum Comer See, den ich
noch genau rechtzeitig fürs obligatorische "Guzzi vor dem
Werkstor" Foto erreiche.
Tag 4
Mandello, Splügen, Thusis, Tiefencastel, Albula, Zernez, Ofenpass,
Sta. Maria, Umbrail, Stelvio, Reschen, Landeck, Imst, GAP, München
~ 600km
Heimwärts über bekannte Strecken. Absolut kein Verkehr,
dafür ungewöhnlich viele Strassenbaustellen. Soll wohl vor
der Sommersaison alles fertig sein. Irgendwo zwischen GAP und
München dann der einzige Defekt der Tour: Ein Halter der
Kniepolster am Zylinder erleidet einen Riss und das Polster fliegt ab.
Das gute Originalteil.
Empfehlenswerte Lektüre: Denzel plus die Michelin Karte 523 Rhonetal/Französische Alpen
Bilder
Impressionen: