25.2.98 Wir erreichen Nachmittags die Grenze zu Ägypten bei Soloum. Die Grenzabfertigung beginnt allerdings erst ab 17 Uhr und so machen wir auch erstmal Pause. Eine Pause, in der wir Kraft für das nun folgende bürokratische Abenteuer sammelten. Die Grenzstation sieht aus, wie eine Mischung aus Altpapierverwertungsstelle und Handgranatenwurfstand, unbeschreibliches Durcheinander und Dreck. Erstmal wird nach einem völlig undurchschaubaren Schema unser Gepäck untersucht, die Einfuhr von messern scheint untersagt, da aber nur kontrolliert wird, was man selber ins Grenzhäusl schleppt, lasse ich einfach alles im Auto und nehme nur mein "Handgepäck" mit in die Kontrolle. Danach beginnt ein fast 4 Stunden dauernder Behörden marathon, man wird von einem Häusl zum nächsten geschickt, jede Stelle residiert in einer anderen baracke, die über das unbeleuchtete Gelände verstreut und logischerweise auch nicht beschriftet sind. Zu unserem grossen Glück bietet sich als Hilfe eine Art Lehrbub an, der mich von Hütte zu Hütte begleitet, mir beim Ausfüllen ungezählter Formulare hilft und mir nebenbei erklärt, auf was zu achten ist. Ohne diesen Jungen würde ich heute noch dort sitzen und mir wird klar, was gerhard Göttler in Sebka gemeint hat, als er meinte, diese grenze sei unpassierbar. Ohne auch nur ein trinkgeld zu fordern oder eine Gefälligkeit von uns anzunehmen, entlässt er uns Richtung osten aus dem Grenzareal. Auf der Suche nach einem Schalfplatz kommen wir noch bis Sidi Barrani, wo wir in einem kleinen Hotel einchecken. Im Unterschied zu Libyen gibt es in Ägypten ein wahres Street-live und so kommen wir in den genuss, in der dem hotel gegenüberliegenden Kneipe das Spiel Ägypten gegen Burkina Faso im Coupe Afircaine im fernseher zu erleben. Der Jubel kennt keine Grenzen, als Ägypten mit 2:0 gewinnt, ist dieses Spiel doch das Halbfinale. Den Mittag des nächsten Tages verbringen wir in El Alamein, der Stadt, in der das Kriegsgeschehen des 2. Weltkrieges in Afrika massgeblich entschieden wurde, und das heute ein sehenswertes Kriegsmuseum beherbergt. Am Abend erreichen wir Alexandria, wo wir ziemlich lange nach einem Hotel in zentraler Lage fahnden, was aber belohnt wird, wir steigen in Steinwurfweite zur Haupteinkaufsmeile ab. Direkt neben dem Hotel ist ein Waschsalon, der am folgenden tag erst mal unsere gesammelten Werke zur reinigung anvertraut bekommt, während wir zu Fuss die Stadt erkunden. Um die Rekultivierung perfekt zu machen, lasse ich mich rasieren und wir qualmen in einem Kaffe mit unseren Wasserpfeifen um die Wette. Der 28.2. bringt us nach Kairo, wo ich eine Ex-Arbeitskollegen besuchen will. Der kairoer Stadtverkehr empfängt und mit seiner, wie wir meinen Rush-Hour. Absolut unvorstellbares Chaos, auf zweispurigen Srassen gehts teilweise fünfspurig, vollgas über rote Ampeln aus allen vier Richtungen gleichzeitig, selbst Stoppzeichen gebärdende Polizisten werden ignoriert, ich bin heilfroh, den Jeep zu haben, der und das Touristenkennzeichen verhindern schlimmeres. Fast eine Woche verbringen wir in Kairo mit Shoppen, Sight-Seeing und Faulenzen, allein über den grossen Bazar könnte man eine eigene Website erstellen, soviel gäbs zu erzählen. Logischerweise durfte auch der Besuch der Pyramiden nicht fehlen.
Der nächste Programmpunkt der Reise sollte Tauchen am Sinai sein, daher machten wir unsauf die Socken Richtung Sharm el Sheik, direkt an der Südspitze des Sinai gelegen. Hier ist ein wahres tauch-Mekka entstanden, die Hotels, alle mit Tauchschule, ziehen sich kilometerweit am Strand entlang. Wir wählen Sharks Bay, eine Anlage, in der man in Hütten am Strand wohnt, die Räume der Tauchschule ist der Strand. Abends sitzt man am Lagerfeuer und bekommt eine Shisha und Tee, was, ganz im Gegensatz zu den doch recht teuren und noblem Hotel im Ort, genau unseren Vorstellungen der Abendgestaltung trifft. 4 Tage dauert die Tauchausbildung, dann sind wir OpenWater Diver.
Die nächsten Tage verbringen wir fast ausschliesslich tauchenderweise, bis mich eine Mittelohrentzündung einige Tage ausser Gefecht setzt. Etwa zeitgleich wachsen die Differenzen zwischen meinem Reisepartner Franz und mir an und er beschliesst, nach einer Meinungsverschiedenheit, den Rest des Trips alleine zu verbringen und zieht ab. Leider ohne das wir besprechen könnten, ob, wann und wo wir uns wieder treffen. Etwas erstaunt über diese doch recht plötzliche Aktion beschliesse ich, die Tage, in denen ich nicht tauchen soll, im Hinterland zu verbringen und so streife ich alleine durch die Gegend ums Katharinenkloster, bevor ich in Dahab wieder ans Meer komme.
In Dahab verbringe ich nochmal 3 Tage beim Tauchen, bevor ich Richtung israelische Grenz losfahren will. Und tatsächlich, es kommt mein ex-Reisepartner Franz daher, er würde doch gerne wieder mitfahren undsoweiter. Naja. es sind noch zwei Wochen Trip übrig, die werden wir schon noch überleben. Wir stehen zusammen die israelische Grenzprozedur durch, eigentlich dachte ich ja, das mich nach der ägyptischen nichts mehr schocken kann, aber die Israelis setzen gewaltig einen obendrauf. Nichtnur die stundenlange Befragung über das woher, wohin usw, die sich x-mal wiederholt, sondern auch das *komplette* Ausräumen des Autos und Durchleuchten jedes Einzelteils kostet Nerven. Dazwischen wird man wieder voneinander getrennt und befragt. Der Papierkrieg ist auch nicht von schlechten Eltern, immerhin kann ich nach etlichem Hickhack beweisen, das mein Auto mir gehört, ich keinen Sprengstoff oder Waffen dabeihabe und auch ansonsten ungefährlich bin, allerdings nicht, ohne nochmal genauestens befragt zu werden. Habe ich schon erwähnt, das man sehrt oft das Gleiche befragt wird? Aber igendwann ist auch diese Grenze geschafft und es geht weiter in ein Land, das ich bereits an der Grenze "lieben" gelernt habe. In immer schlechter werdenden Wetter nähern wir uns Jerusalem, das wir schliesslich im Schnee erreichen, was meine Stimmung auf einen wahren "Höhepunkt" schnellen lässt und auch das Verhältniss zu Franz bessert sich nicht wirklich. 3 Tage sitzen wir mehr oder weniger bei Sauwetter in Jerusalem ab, kurz unterbrochen von Fussmärschen durch die Altstadt, welche gespickt sind von Begenungen und Erlebnissen, die einem Land und Leute weiterhin gründlich vermiesen. Stimmung kommt so keine Richtige mehr auf und so verlassen wir Jerusalem am 22.3.98 Richtung Haifa, von wo uns am gleichen Anbend ein Schiff via Zypern und Kreta nach Piräus bringt. Europa und damit der hier noch herrschende Winter hat uns wieder. Eine Fahrt auf stürmischer See trennt uns noch von Ancona, die 700 Kilometer bis München reisst der Jeep mit einem Tankstopp ab, ich verliere keine Zeit, meinen mittlerweile mal wieder völlig besoffenen Reisepartner zuhause abzuliefern. Uns so endet am 27.2.98 nach über 10.000 gefahrenen Kilometern das Abenteuer Afrika glücklich. Ein Trip durch Länder, die ich, bis auf eins, garantiert öfters wieder besuchen werde.