Mittelmeerumrundung 1998



 
 

Tunesien, Libyen, Ägypten und Israel, also nur eine halbe Umrundung


Teil 1, Libyen 

Meine zweite Afrikareise "plante" ich recht spontan im Winter 1997, als ich eine Kreuzbandoperation auskurierte und beschloss, direkt im Anschluss daran den Arbeitgeber zu wechseln. 7 Wochen Resturlaub waren also die Zeitvorgabe, genug, um eine grössere Tour zu starten. Noch vom Krankenhaus aus liess ich mir Reiseführer besorgen und suchte einen Reisepartner. Kaum hatte ich das Krankenhaus auf Krücken verlassen, begann ich, den Jeep für diese Tour vorzubereiten, hatte sich doch vor allem das serienmässige Fahrwerk schon in Marokko als kaum pistentauglich erwiesen. Zusammen mit meinem schnell gefundenen Reisepartner, meinem Nachbarn Franz, begannen wir mit der Arbeit und der Visabeantragung. Andere Leute nehmen sich für sowas ein halbes Jahr Zeit, uns mussten 2 Monate reichen.

Am 6.2.98 war es, nachdem am Vortag das Auto fertig wurde und erst einige Tage zuvor das ägyptische Visum eintraf, soweit. Nachts um 12 starteten wir bei gemessenen 20 Grad unter Null mit dem offenen Jeep Richtung Genua. Bereits in Kufstein konnte ich mein Gesicht nichtmehr spüren, trotz Neopren-Gesichtsmaske, mehreren Halstüchern und Wollmützen, den Rest des Körpers schützte meine Motorrad-Thermokombi und die voll aufgedrehte Heizung. Franz war komplett in seinem Schlafsack verschwunden. Irgendwann im Morgengrauen erreichten wir Genua und die Sonne begann, uns wieder aufzutauen.

Etwa 24 Stunden, nachdem die Habib mit uns Genua verlassen hatte, spuckte sie uns in Tunis wieder aus und wir machten uns nach Erledigung der Formalitäten auf den Weg nach Sousse, einem Küstenort, wo wir unsere erste Nacht verbringen wollten. Die Etappe des nächsten Tages brachte uns nach Ben Guerdane, wo wir ein letztes Mal nach Hause telefonierten und spät Abends noch schwarz Geld wechselten, eine Szene wie im besten Gangsterfilm ;-)

Die Überquerung der libyschen Grenze gestaltete sich als zwar zeit- und geldraubend, aber dafür in sehr entspannter Atmosphäre und wir konnten nach etwa 4 Stunden mit frischen Kennzeichen weiterfahren. Erste Etappe war Nalut, wo wir an nächsten Morgen den "Dreiecksstempel" bekommen wollten. Man muss sich diesen Stempel innerhalb 3 Tage nach der Einreise holen, weiss der Geier, wozu, ohne ihn gibts allerdings Probleme bei der Ausreise. Nalut ist eine alte Bergoase mit beeindruckender, halb verfallener Altstadt. Von Nalut aus machten wir uns auf, die Strecke Dari-Idri zu bezwingen. Nicht ohne in Dari alle verfügbaren Tanks und Kanister mit Sprit bzw. Wasser zu füllen, standen doch auf kürzestem Wege (und wer findet den schon?) 500 km Piste und querfeldein bevor. Bereits am Abend erreichten wir ohne Probleme den alten Militärflughafen von El Alcazeil, der im 1. Weltkrieg von den Italienern errichtet wurde.



Die erste Nacht unter freiem Himmel, wir schliefen mit den Schlafsäcken ohne Zelt am Lagerfeuer. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, traute ich meinen Augen kaum, alles war mit Rauhreif überzogen, jetzt wusste ich auch, warum ich die ganze Nacht so erbärmlich gefroren hatte. Kurz nach der Abfahrt ereilte uns der erste und glücklicherweise einzige Platte der Reise. Leider bemerkte ich ihn in dem recht felsigen Gelände nicht rechtzeitig und als wir endlich anhielten, stellte sich die Karkasse als zu stark beschädigt heraus, um ihn weiterzuverwenden. Mit Schlauchlosflickzeug geflickt und wieder aufgepumpt, wanderte er auf den Reserveradträger. Die Strecke führt über eine felsige Hochebene, an deren Ende sich die Piste bergab in grosse Sandflächen ergibt, insgesamt sehr abwechslungsreich und nicht besonders schwer. So erreichen wir bereits am nächsten Tag Idri, wo wir nochmal volltanken und nach Sebha weiterfahren, wo wir einen neuen Reifen besorgen wollen. Das Glück ist mit uns und wir bekommen am nächsten Tag tatsächlich im ersten Geschäft einen Reifen in unserer Dimension, nachdem uns am Vorabend "der" Göttler, Schreiber des bekannten Reiseführers entmutigt hatte, in der scheinbar für Libyen ungewöhnlichen Dimension 31*10,5+15 einen Reifen zu finden. Weiter gehts zu den Mandara-Seen, einer Ansammlung von Salzseen mitten in der libyschen Wüste und einer der absoluten Höhepunkte jeder Libyenreise.  Über steile Dünenpassagen erreicht man zuerst einen grösseren, in Frühjahr '98 allerdings fast völlig ausgetrockneten See und nach überquerung weiterer Dünen den Um el Maa, auf deutsch die Mutter des Wassers. Dieser, von Palmen unstandene See ligt direkt am Fusse einer grossen Düne, die unablässig in ihn hineinrieselt. Hier treffen wir auf Fredi aus München, der hier mit einer Mini-Reisegruppe mit seinem 59er MAN 630 campiert.



Nach einem ausgiebigen Frühstück aus Fredis Vorratskiste versuchen wir am 15.2. vom Um el Maa weiter zum Gabron-See zu fahren, scheitern jedoch an den riesigen Dünen und verlassen die Mandara-Seen Richtung Germa. Dort holen wir uns für 20 libysche Dinar die Genehmigung zum Befahren der Piste ins Wadi Mathendous, wo wir hoffen, Steinzeichnngen zu finden. Da auch diese Genehmigung sehr schnell ausgestellt wird, erreichen wir noch am selben Abend das Wadi und lagern unter den nicht zu verfehlenden Steinzeichnungen. 



Den Vormittag des folgenden Tages verbringen wir zu Fuss auf der Suche nach weiteren Zeichnungen, diese sind teilweise nur nach kleineren Kletterpartien zu erreichen und allesamt sehr sehenswert. Nachmittags verlassen wir das Wadi und fahren, zum Teil ohne Piste bis nach Murzuq, wo wir den folgenden Tag in einem kleinen Palmenhain verbummeln udn unsere mitgebrachte Flasche Jacky mit warmen Cola vernichten und endlich mal einen Tag nicht fahren. 



Immerhin raffen wir uns auf und besichtigen das Fort von Murzuq mit integriertem Heimatmuseum. So bringt uns der 18.2. auf die Piste zum Wau an Namus, dem "Mückenkrater", den wir nach einer Übernachtung erreichen. 



Der Ausblick auf die, in einem Vulkankrater liegenden, verschiedenfarbigen Seen ist atemberaubend. Wir machen uns getrennt auf den Weg in den Krater, der seinem Namen alle Ehre macht. Kaum ist man einem der Seen auf etwa 10m nahe, stürzen sich die Moskitos in riesigen Scharen auf einen. ich konnte sonst kein Lebewesen ausmachen, die Vermutung, das sie sich ausschliesslich von Touristen ernähren liegt also nahe ;-) Franz kommt etwa zwei Stunden nach mir aus dem Krater, er hat den in der Mitte liegenden Vulkan bestiegen, während ich die Flucht vor den Mücken vorzog. Vom Wau an Namus fuhren wir direkt nach Tazurbu, ein Strecke von etwa 430 km querfeldein, die Spuren verlieren sich bereits wenige hundert Meter vom Wau an Namus entfernt und man stösst erst wieder auf welche, wenn man schon mitten in Tazurbu steht.



Eigentlich war es absolut unverantwortlich, eine derart einsame Strecke ohne Begleitung zu fahren, wir sind tatsächlich den ganzen Tag lang niemand begegnet und das einzige Lebewesen, ein Kamel, war schon lange tot. Im Falle eines Falles steht einem ein mehrtägiger Marsche bevor, hilfreich ist in den Wintermonaten da lediglich die milde Temperatur bei Tage, wir hatten immer so um die 10 bis 15 Grad Celsius. Tazurbu ist ein kleine Oase, allerdings mit Tankstelle und sogar einem Krankenhaus.



Wir erreichen Tazurbu kurz vor Einbruch der Dunkelheit und Suleiman Mohhammed vom Tourist Office gabelt uns auf. Wir tragen uns in seinem Büro ins "grosse Buch" ein. Im Laufe des Gesprächs gibt er uns zu verstehen, das er uns auch Sprit verkaufen würde, der an der örtlichen Tankstelle sei mit Wasser vermischt, da man hier nicht wolle, das die Richtung Sudan reisenden Fahrzeuge den hier doch sehr günstigen Sprit bunkern. nahc dem tanken werden wir fast gezwungen, zum Abendessen und über Nacht zu bleiben und wir nehmen dankend an. Nahc dem Abendessen mache ich Suleiman noch eine freude und fahre in einmal kreuz und quer duch die Oase, wo er allen Spezln "Hallo" sagt und seine neuen Freunde vorstellt. Nachdem er uns dann noch die halbe nacht die Strecke nach Bezeema erklärt hat, fallen wir todmüde ins Bett. 21.2.98 wir machen uns zum Aufbruch bereit und kaufen auf dem Markt nochmal richtig ein, Hauptsächlich Gemüse, das hier, wen wunderts, fast deutsches Preisniveau hat. Die Strecke nach Bezeema führt anfangs noch an Pisten zu den von Kanadiern betriebenen Wasserpumpstationen entlang, später gehts einfach Richtung SO und man überquert unzähliche mittelhohe Dünen. Bezeema ist wieder eine Oase, deren Zentrum ein schwarzer Vulkanberg, der von einem Salzsee umgeben ist, bildet. Die Oase ist verlassen, scheinbar sind hier die Spuren der libyschen Umsiedlungspolitik zu sehen, nach der grosse Teile der Landbevölkerung in Städte umgesiedelt wurden. Am nächsten Tag fahren wir erstmal bis kurz vor Tazurbu zurück, denn der Sprit reicht nicht für die geplante Strecke, Suleiman hat uns wohl, damit wir nicht wieder alleine durchs Gelände fahren, nicht vollgetankt. So halten wir an der kanadischen Wassersuchstation und fragen dort nach, ob sie eine Tankstelle haben. Nachdem erstma der Chef gesucht werden muss, werden wir aufs gelände gebeten und wir werden vollgetankt. Eine bezahlung sei nicht nötig, wir sind gast des Hauses und geben als Gegenleistung ein paar Stories über die bewältigten Strecken zum besten. Von der Pumpstation gehts etwa 80 Kilometer nach Osten, bevor man auf die Strasse von Kufra nach Jalu kommt, der wir weitere 450 km folgen, bevor wir den Ort und damit die erste Versorgungsstation erreichen. Während man dieser Strasse folgt, sieht man viele Baustellen des Man-made-River Projekts, in dem das Wasser aus der Wüste in die ertragsreichen Regionen am Meer gepumpt werden soll bzw. schon wird.



Am 23.2. erreichen wir Bengazi, eine Grosstadt am Mittelmeer. Mit dieser Etappe ist das Ende der Wüstenfahrt erstmal erreicht, im Hotel wird geduscht, Wäsche gewaschen und wir stürzen uns ind "Nachtleben", was in einer Tüte Fallaffel und kaltem Cola gipfelt. Vom Luxus derart überfallen, vergessen wir am nächsten Morgen glatt, unsere Pässe an der Hotelrezeption abzuholen, wir merken das erst 30 km ausserhalb, die Fahrt zurück wird zur Zitterpartie, die ständig kontrollierenden Polizisten sahen uns nicht so aus, als ob sie mit sowas Spass verstehen. Es geht alles gut und wir fahren bis Cyrene, wo sehr gut erhaltene, allerdings kaum gepflegte und schon garnicht bewachte antike Stätten uaf uns warten. Erst die Griechen später die Römer müssen hier gelebt haben, wie uns die unterschiedlichen Beschriftungen auf Säulen und Torbögen verraten. 



Wir fahren noch bis kurz nach Appolonia und verbringen unsere letzte Nacht in Libyen in einer Bucht am Strand.

Hier gehts weiter:
Teil2, Ägypten und Israel